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Sonstiges

Long Distance Calling / EF live at Forum, Bielefeld, 15.04.10

Donnerstagabende in Bielefeld: Geprägt vom Wetter, den kleinen Begegnungen, den Staus der ins Umland Fliehenden Reisenden. Ob ein Konzert von Long Distance Calling aus Münster und EF aus Gothenburg einen tieferen Eindruck hinterlassen kann, als die Tropfen auf dem Erdreich, die Worte im eigenen Gedankenmeer, den Autoreifen auf dem Asphalt?

Darauf gibt es schlussendlich, und das kommt wohl nicht annähernd überraschend, nur eine Antwort: Auch wenn sich diese Stunden nicht mit letztem Nachdruck ins konzertalisch-ewige Gedächtnis begeben haben, gelohnt hat es sich allemal. Und das lag nicht zuletzt an der Einleitung durch das virtuos aufspielende Quintett von LDC. Ihr Spiel, bestimmt von atmosphärisch dichten und mitreißenden Klangwolken wurde zu einer eleganten weil Raum schaffenden Notendecke. Keinesfalls will ich damit andeuten, dass sich die grundsympathischen Jungs aus Münster mit einer klar definierten Rolle als Support zufrieden geben mussten, die Ohren mit im Belanglosen versickernden Sound lediglich auf die später heraufziehenden Polarlichter von EF vorbereitend. In einem Genre, dass den immer gern hergenommenen und weit fassenden Definitionen Tribut zollt, indem es mit Post-Rock überschrieben ist, sah ich mich gestern Vertretern von etwas gegenüber, dass, reduziert auf die Essenz eher mit Post-Metal überschrieben werden müsste. Zu vielschichtig war der Sound, der in seiner Intensität und Schnelligkeit streckenweise an die deutschen Death-Metal-Speerspitzen von Heaven Shall Burn erinnerte. Stücke wie The Very Last Day oder 359° setzten aber auch immer wieder wunderbar stimmungsvoll-träumerische Kontrapunkte, zu der sich einige der vordersten Zuhörer gar zu Boden begaben (too much guys, sorry!). Furios verschmolzen, auch durch ein immer wieder aufwallendes Grollen im Hintergrund, erzeugt durch konzertierte Doublebass-Feuerwerke, ergab sich so ein in seiner eruptiven Kraft immer wieder variierender Strom, der sich langsam über den gesamten Raum erstreckte und so eine pulsierende Grundlage für das später Kommende schaffte.

Auf dieser Basis eröffnete EF dem nun auch zahlreich vor der Bühne in gewohnter Passivität verharrenden Publikum seine musikalischen Möglichkeiten, die in ihrer Variabilität für meinen Geschmack hinter denen Long Distance Callings zurückblieben. Erweitert um die gesangliche Komponente konnten sie dem zuvor Begonnenen nur selten eine nahtlos anknüpfende Fortsetzung schenken. Sphärische Klänge, die durchaus zum Innehalten, zum Verhängen im Ich einluden gab es ohne Frage mehr als genug. Details jedoch, wie die fehlende weibliche Stimme beim sonst eindrucksvollen Longing For Colors addierten sich auf zu einem Auftritt, der alles hatte, doch kaum einer Komponente außer der instrumentalen Mannigfaltigkeit das verlieh, was zu einem überbordend positiven Eindruck hätte gereichen können.

Und so wurde die Notendecke weitergewebt, harmonisch an schon Vergangenes angeschlossen und der Eindruck beibehalten, dass dieser Abend jegliche Benommenheit durch katastrophische Wortbilder der allseits beliebten Medien beiseite zu wischen vermochte. Den ekstatischen Momenten von 65daysofstatic wurden ebenso wundervolle Zeiten entgegen geboten, post-apokalyptische Bilder konstruiert, ein klanglicher Vulkan der Eruption entgegengeführt.

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