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Live Review

Crazy Arm / Frank Turner live at Kulturzentrum Lagerhaus, Bremen, 03.04.2010

Beginn der “Soundocrats-Konzerttournee April 2010″! Die Ehre des Auftakts gebührte dabei niemand geringerem als Frank Turner, der sich zur Zeit auf dem bisherigen Höhepunkt seiner Popularität befindet. So füllt er mittlerweile nicht mehr nur Clubs in England, auch das europäische Festland kommt in den Genuss seiner Anwesenheit – und so auch das Kulturzentrum Lagerhaus in Bremen nach der vorgestrigen Dämmerung.

Mit im Gepäck hatte er die vier sympathischen Jungs von Crazy Arm, die dem Laden schon mal einheizen sollten. Taten sie auch sehr ordentlich – nur die Crowd zeigte norddeutsche Kälte und bewegte sich wenig bis gar nicht, trotz intensivster Songs mit starken Texten zum Abgehen und Mitsingen wie “Get Religion” oder “Broken by the wheel”. Und so starb Crazy Arm leider den typischen Tod einer unterschätzten und unbekannten Vorband. Bleibt zu hoffen, dass sie zumindest ein paar neue Hörer gefunden haben und bei anderen Shows mehr Glück mit dem Publikum haben. Die Kommentare auf ihrer Last.fm Seite lassen zumindest Positives erahnen.

Nun aber zum Star des Abends, Frank Turner. Die mäßige Beteiligung bei Crazy Arm hatte zumindest den Vorteil, dass wir uns einen erstklassigen Platz direkt vor der Bühne sichern konnten. Ein von Neugier getriebener Blick auf die Setlist bot nichts Unerwartetes: Größtenteils Songs der beiden letzten Alben “Poetry of the Deed” und “Love Ire & Song”. Dazu die großartige Ballad of me and my friends vom älteren “Sleep is for the week” als eingeplante Zugabe – ace. Umbau und Soundcheck dauerte für unseren Geschmack einen guten Meter zu lang, auch wenn die musikalische Untermalung mit Country-Remix von Prodigys Songs ganz interessant war (Woher ist das? Wenn’s einer kennt, bitte melden!). Als Frank Turner dann samt Band die Bühne betritt erwacht endlich auch das norddeutsche Publikum aus seiner Lethargie. Verständlich – der gute Mann strotzt vor Charisma und kommt verdammt authentisch und sympathisch rüber. So spult er stolz seine gelernten deutschen Sätze runter (in denen es amüsanterweise um Eichhörnchen und Schildkröten geht) und startet dann mit Poetry of the Deed, gefolgt von Try this at home. Erster Höhepunkt ist dann Reasons not be an Idiot, bei dem das ganze Publikum lauthals mitsingt. Für Dan’s Song bindet Frank Turner sogar das Publikum mit ein, sucht einen Freiwilligen, der ihn per Mundharmonika ein kleines Stück des musikalischen Weges begleitet. Nachdem schnell gefunden und der Bühne überführt stellte sich heraus, dass derselbe schon zwei Tage zuvor in Hamburg diesen Part übernommen hatte, was Turner dann ganz lässig mit den Worten “super, dann brauch ich ja nichts mehr erklären” kommentierte. Auch im Folgenden blieb die Stimmung im Lagerhaus super und vor allem bei weiteren Songs von “Love Ire & Song” wie Substitute, To Take You Home und Long Live The Queen sang der ganze Saal aus vollen Kehlen mit. Als die Band dann nach The Road die Bühne verließ, war auch ohne den anfänglichen Blick auf die Setlist klar, dass das noch nicht Alles gewesen sein konnte. Frank Turner ließ sich dann zum Glück nicht lang bitten und betrat mit den Worten, er könne diese Zugaben-Geschichte eh nicht leiden die Bühne und stimmte solo das bereits erwähnte und weit vor diesem Abend erhoffte The Ballad of me and my friends an. In der Folge unterstützte ihn die Band noch einmal bei zwei Stücken, dann sollte eigentlich wirklich Schluss sein – doch die Menge harrte aus, applaudierte und verleitete Frank Turner tatsächlich noch einmal auf die Bühne zu kommen und, erneut solo, zum Abschluss The Real Damage zu spielen.

Insgesamt ein sehr stimmiges Konzert mit zwei gut aufgelegten Bands, die beide live noch besser klingen, als auf ihren Studioalben. Schließen möchte ich nun mit einem Satz aus dem Inlay der Crazy Arm Scheibe “Born to Ruin”, den auch die Soundocrats so unterschreiben könnten:
“Crazy Arm advocate a lifestyle in opposition to capitalism, imperialist wars, religion, xenophobia, gender inequality and animals abuse”
Word! Nur Vegetarier werd’ ich jetzt trotzdem nicht, sorry Jungs!

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